the code
Coverrock from BaRockTown

Über uns

Was macht es aus, dass eine Band im harten Musikbusiness Erfolg hat? Etwas „Sein“, ein wenig „Schein“ und ganz viel „Schwein“ wären da wohl die richtigen Zutaten. Und von Letzterem scheinen wir nicht allzu viel abbekommen zu haben, sonst könnten wir unser bald 20-jähriges Luftschutzkeller-Jubiläum in anderem Ambiente feiern. Würden dicke Wagen fahren und als abgehobene Stars vom Titelblatt der Schweizer Illustrierten grinsen – gut also, hat es nicht ganz geklappt mit dieser Karriere. Aber was lange währt, wird endlich gut – wir wagen nach langem Unterbruch wieder einmal den Weg auf die Bühne.

1990 – Roger Waters hielt sein legendäres „The Wall“-Konzert in Berlin ab und Nirvana standen in den Startlöchern ihren Grunge-Sound um die Welt zu donnern – trafen sich Thomas Hefti, Martin von Burg und meine Wenigkeit, um an einer höheren solothurnischen Fakultät das Handwerk eines Sekundarschulpädagogen zu erlernen. Man verstand sich auf Anhieb gut und entdeckten eine gemeinsame Liebe – die Musik. Im Falle von Tom und Martin handelte es sich um bereits aktive Musiker, wenn auch mit etwas unterschiedlichem Background – Rockmusik hier, Tambouren- und Blasmusiksound dort. Da störte sich auch niemand daran, dass meine musikalischen Fähigkeiten eher im Bereich des Luftgitarrespielens oder aber des gepflegten Altflötenspiels lagen. Kurzum, anlässlich unseres Französisch-Studiums in der „Grande Nation“ vereinbarten wir mal ein denkwürdiges Treffen, welches nach stundenlangen weingeschwängerten Diskussionen über Bildungspolitik im einzig Vernünftigen, der Gründung einer Band, endete. An das Wichtigste bei so einer Gründung wurde natürlich auch gerade gedacht – den Namen der zukünftigen Band. So beschlossen wir, uns fortan nach diesem gottverlassenen Flecken in der Normandie zu nennen, wo dieses Cephalgie verursachende Happening stattgefunden hat – Banville.

Stromgitarre, Schlagzeug waren also besetzt und da ein Bass bekanntlich nur vier Saiten hat, beschloss ich, mich mal damit auseinanderzusetzen. Erleichternd kommt hinzu, dass Tom mal Chris von Rohr, auf dem Zenit seiner Krokuszeit, in Solothurn in einem Musikgeschäft getroffen hat und dieser eigentlich nur die dickeren zwei Saiten ersetzt haben wollte, die anderen würde er eh nicht brauchen. Somit war mein erstes musikalisches Vorbild auch schon klar. 

Was fehlte war eine weitere Klampfe und so ein Piano-Streicher-Hammondsound-Keyboarder und natürlich noch ein Probelokal. Alles liess sich innert Kürze und in nächster Umgebung finden. Von Stephan „Steve“ Kohler wusste ich, dass er schon seit längerem mit Jungs aus dem Dorf einen Übungskeller unter der Turnhalle in Lüsslingen eingerichtet hatte. Eigentlich gings anfangs nur um dieses Lokal, aber als sich dann herausstellte, dass Steve auch gerade vor einem musikalischen Neuanfang steht, verpflichteten wir ihn stante pede für unser hoffnungsvolles Projekt. Von Rolf Distel wussten wir, dass er gut Gitarre spielen konnte, sich aber zu Semizeiten mit irgendwelchen frustrierten Konzertpianisten als Klavierlehrer herumschlagen musste. Beste Voraussetzungen also, um bei uns in Zukunft in die Tasten zu hauen. 

In den nächsten Monaten wurde intensiv geprobt und schon bald wurde anlässlich eines kleinen Konzerts in Aedermannsdorf unsere Bühnentauglichkeit getestet. Scheinbar hatte damals niemand den Mumm uns nahezulegen, sich künftig mit Kegeln oder der Bonsaizucht auseinanderzusetzen. Jedenfalls erachteten wir den Naturpark Thal als ein geeignetes Refugium für unseren querbeet angelegten Rock. Von Mundart zu Gassenhauer, nichts war damals vor uns sicher. 1994 wurden zwei unserer eigenen Songs, unter äusserst denkwürdigen Bedingungen und in etwas mehr als der vorgegebenen Zeit, auf die Barocktown Project-Compilation gepresst.

Schon bald danach schälten sich gewisse musikalische Differenzen heraus, die in unzähligen Gesprächen, dies- oder jenseits des Balmbergs und unter Berücksichtigung sämtlicher psycho-pädagogischer Kniffe, mündeten. Als Folge davon nahmen Martin von Burg und Rolf Distel den Hut und überliessen ihren Platz neuen Kräften. Ein guter Zeitpunkt, sich das Line-up nochmals zu überlegen. So suchten wir nicht nur einen Drummer sondern erstmals auch einen Sänger oder eine Sängerin. Kurz darauf wurden wir auch fündig. Katja Cristani übernahm das Mikrofon und für den Job hinter dem Schlagzeug wurden wir im Kanton Zürich fündig. Genauer gesagt bei einem Zürcher, den es in die Ambassadorenstadt verschlagen hat. Raffi Chiesa sorgte also für neuen Beat hinter alten Fellen. Nach ein paar kleineren Auftritten in Grenchen und Gänsbrunnen war auch schon wieder ein neuer Wechsel angesagt und dies nicht nur beim Namen. Diesmal kam ich über eine Bekannte an die Nummer eines ihrer Lehrerkollegen, welcher mit seiner Band Stonehenge auf der Nachfolge CD Barocktown Project II zu hören war. Da Roger Kurts Kollegen von Stonehenge beschlossen hatten berühmt zu werden und Zürich dafür scheinbar der richtige Ort war, fiel es ihm nicht schwer sich unserer illustren Truppe anzuschliessen. Aus Banville wurde also vorübergehend Mind the Depp. Da unser bohr- und schleifmaschinenvertreibende, asienmanagende Schlagzeuger längerfristig nach Malaysia umsiedelte, mussten wir uns nach einem neuen Duracell-Hasen umschauen. Nach mehreren erfolglosen Inseraten rund um Solothurn fanden wir schliesslich Mike Bühler. Mikes Bild könnte man problemlos im Lexikon unter „Schlagzeuger“ einkleben – ein rockermässiges Aussehen mit mittlerweile leicht ergrauten langen Haaren. Und Schlagzeug spielen konnte der Junge. Unsere Hörprobleme lassen sich wohl alle mit dem Einstellungsdatum von Mike erklären. Jedes Mal nach der Probe sammelten sich unter seinem Hi-hat so viele Späne an, dass man unter tierschutzwürdigen Bedingungen problemlos mehrere Hamster hätte halten können. Anlässlich der 750-Jahr-Feier von Lüsslingen konnte man ihn – und natürlich auch uns unter dem neuen Namen Genetic Code – bis nach Solothurn hinein hören.

End of part one